Logopädische Praxis - Alexandra Nattmann

Stimmtherapie

Stimmstörungen (Dysphonie) bei Erwachsenen können funktionelle oder organische Ursachen haben.

Sie äußern sich:

  • in länger bestehender Heiserkeit (ohne akuten Infekt),
  • eingeschränkter Belastbarkeit der Stimme,
  • Schmerzen und/oder
  • einem Fremdkörpergefühl im Kehlkopf.

Jede Heiserkeit, die länger als zwei bis vier Wochen dauert, sollte HNO-ärztlich untersucht werden.

Welche Stimmstörungen gibt es bei Erwachsenen?

Organische Stimmstörung

Unter einer organischen Dysphonie versteht man eine Störung der Stimme,  die auf organische Veränderungen im Kehlkopf oder an den Stimmbändern zurückzuführen ist (Knötchen, Entzündungen, Ödeme, Veränderungen durch Unfälle oder Operationen, Lähmungen oder Teilentfernungen der Stimmlippen - im schwerwiegendsten Fall Kehlkopfentfernungen - bei Kehlkopfkrebs). Die Stimme klingt oft heiser und kann teilweise oder ganz ausbleiben, es kann zu Doppeltönigkeit kommen oder zu starker Behauchung, je nach Ursache und Ausmaß der Störung.

Funktionelle Stimmstörung

Eine funktionelle Dysphonie liegt vor, wenn es organisch keinen Grund für eine Stimmstörung gibt. Das Schwingungs- und Schließungsverhalten der Stimmlippen ist gestört, die Folge ist eine deutliche Funktionseinschränkung der Stimme. Am häufigsten betroffen sind Berufssprecher z.B. ErzieherInnen, LehrerInnen, Mitarbeiter in Call-Center etc. 

Häufig treten funktionelle Dysphonien nach grippalen Infekten auf: Aufgrund bakterieller oder viraler Infektionen kommt es zu Heiserkeit. Der Patient schont die Stimme jedoch nicht ausreichend und spricht mit erheblicher Anstrengung trotz des Infektes weiter. Die Anstrengung und der aufgebaute Druck sind es, die eine Stimmbesserung nach Abklingen der Erkältungssymptome verhindern. Während der Erkrankung hat sich der Patient einen sehr ungesunden Umgang mit der Stimme angewöhnt. Die Folge ist oftmals ein fehlender Stimmbandschluss sowie die Ausbildung von Stimmbandknötchen („Schwielen“) oder Ödemen („Wassereinlagerungen)“.

Auch durch Umweltbelastungen (Sprechen in zu trockenen Räumen, gefährliche Stäube - wie z.B. Kohle, Mehlstaub etc.), durch psychische Belastungen (Stress, Überlastung, Konflikte etc.) können Stimmstörungen entstehen. Werden funktionelle Stimmstörungen nicht behandelt, können sekundär organische Stimmstörungen (Knötchen) auftreten. Funktionelle Stimmstörungen sind immer in Zusammenhang mit dem psychosozialen Umfeld und Faktoren der Persönlichkeit zu sehen.

Psychogene Stimmstörung

Unter einer psychogenen Dysphonie versteht man eine Stimmstörung, die durch psychische oder seelische Belastung entstanden ist. "Stimme" ist "Stimmung": die Stimme ist Ausdruck unserer Emotionalität.

Patienten mit psychogener Dysphonie klagen vor allem über die starken Begleiterscheinungen wie Druckgefühl und Räusperzwang. Eine psychische Komponente spielt bei einer Vielzahl von funktionellen und sogar organischen Dysphonien eine Rolle.

Stimmstörungen durch hormonelle Einflüsse

Durch hormonelle Einflüsse können Stimmstörungen entstehen. Häufig ist eine Veränderung der Stimmhöhe und der Leistungsfähigkeit der Stimme die Folge.

Mutationsstimmstörungen

Bei Jungen kann es nach Abschluss der Pubertät zu Stimmstörungen kommen. Die hohe Kinderstimme wird beibehalten, obwohl die anatomischen Gegebenheiten für eine Männerstimme gegeben sind. Mögliche Symptome:

  • das plötzliche Umkippen der Stimme nach oben und unten
  • die sehr häufig auftretende Diplophonie (Doppelklänge).

Nach Abschluss der Behandlung sollte der Patient lernen, seine »neue« Stimme zu akzeptieren und in allen Situationen anzuwenden. Eventuell ist bei einer entsprechenden psychischen Disposition (z.B. bei Problemen mit der kulturellen Herkunft oder der eigenen sexuellen Orientierung) auch eine Psychotherapie erforderlich.

Rhinophonie

Wenn der Stimmklang nasal ist, sprich man von einer Rhinophonie. Hierbei wird unterschieden zwischen geschlossenem (zu geringe Nutzung des nasalen Klangraumes - "Stockschnupfen") und offenem Näseln (übermäßige Nutzung des nasalen Klangraumes, da kein genügender Gaumensegelverschluss erfolgt - z.B. bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalten). Hierbei treten in der Folge auch Veränderungen der Artikulation (Rhinolalien) auf.

Weitere Informationen enthält das dbl-Faltblatt "Stimmstörungen bei Erwachsenen".

Wie kann Stimmstörungen vorgebeugt werden?

Funktionellen Stimmstörungen und sekundären organischen Veränderungen (Knötchen) kann durch entsprechende stimmhygienische Maßnahmen (ausreichende Flüssigkeit, gutes Raumklima, Vermeiden von allergenen und belastenden Stoffen, kein aktives oder passives Rauchen etc.) und präventive Stimmübungen vorgebeugt werden.

Welche Hilfen bieten wir Logopädinnen?

Wir Logopädinnen beraten über stimmhygienischen Maßnahmen und bieten Kurse und Seminare zur Vermeidung von Stimmstörungen insbesondere für Menschen in Sprechberufen an.

Bei auftretenden Stimmproblemen sollte unbedingt ein HNO-Arzt oder Phoniater (Facharzt für Stimmbeschwerden) aufgesucht werden. Der Arzt untersucht den Kehlkopf und das Hörvermögen und stellt ggf. ein Rezept für eine logopädische Behandlung aus. Wir Logopädinnen führen eine Stimmuntersuchung durch und führen ein Anamnesegespräch, in dem der Beginn und der bisherige Verlauf der Stimmstörung sowie alle beeinflussenden Faktoren geklärt werden. Anschließend erläutern wir den Befund und erstellen einen Behandlungsplan Auf dieser Grundlage erfolgt die logopädische Therapie, in der Regel in Einzelbehandlungen.

Inhalte einer Stimmtherapie sind Übungen zur Verbesserung der Wahrnehmung, der Atmung, der Haltung, der Körperspannung und der mit der Stimme zusammenhängenden Artikulation sowie gezielte Stimmübungen. Ggf. erfolgen Beratungsgespräche über alle mit der Stimmstörung in Zusammenhang stehende Faktoren.

Ziel einer Stimmtherapie ist eine belastungsfähige Stimme mit der bestmöglichen Wiedererlangung und Stabilisierung optimaler stimmlicher Kommunikationsfähigkeit in Alltag und Beruf. Dies ist immer abhängig von Ausmaß und Ursache der Störung bzw. Grunderkrankung. Wichtig für den Therapieerfolg ist der ständige Transfer des Geübten in den Alltag.

Nach Ablauf der logopädischen Verordnung erfolgt erneut eine Untersuchung beim Facharzt, der dann in Absprache mit der Logopädin und auf der Grundlage des logopädischen Berichtes entscheidet, ob eine weitere Therapieeinheit erfolgen soll oder ob die Stimme ausreichend stabilisiert wurde und wieder belastungsfähig ist.

Heiserkeiten ohne akuten Infekt, die länger als 4 Wochen bestehen, müssen unbedingt ärztlich abgeklärt werden.

Quelle: Deutscher Bundesverband für Logopädie e.V.

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